Notfall

Der wichtigste Rat vorweg: Ruhe bewahren!

0611 19222

RETTUNGSLEITSTELLE WIESBADEN

Damit die richtige Hilfe schnell und zielgerichtet kommt, benötigt die Rettungsleistelle exakte Informationen. Die Rettungsleitstelle Wiesbaden führt den zentralen Versorgungsnachweis aller in Deutschland am Notdienst teilnehmenden Druckkammerzentren. Sie kann an die nächste freie Druckkammer verbinden. Notfallmäßig behandelt werden:

CO-Intoxikation / Kohlenmonoxid-Vergiftung

Die Symptome der CO-Intoxikation sind eher unspezifisch. Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit können gerade in der kalten Jahreszeit auch auf andere Krankheiten deuten, treten aber schon bei „leichten“ Vergiftungen auf. Je schwerer die Vergiftung umso ausgeprägter sind Symptome. Kollaps, Bewusstlosigkeit bis hin zur zentralen Atemlähmung und dem Tod sind möglich. Die genaue schwere der Vergiftung kann nur mittels einer Blutgasanalyse erfolgen.


Mobile Messgeräte sind (Bedien-)Fehleranfällig und dienen nur mit einer entsprechenden Co-Quelle und in Kombination mit den eingangs erwähnten Symptomen als Indikator für die HBOT.

Quellen sind meist:

  • Defekte Gasthermen
  • Shisha-Genuss in geschlossenen Räumen
  • Nach Bränden (Rauchgase)
  • Suizide (Suicide Kits)

Die Behandlung sollte unverzüglich (innerhalb von 4 (- 8) Std. nach dem Unfall) beginnen! Rückfragen bei länger zurück liegenden Ereignissen sind jederzeit unter 0611 19222 möglich!


Die Hyperbare Sauerstofftherapie (HBOT) ist die bestmögliche Therapie und bewirkt eine raschere Entgiftung und verringert Spätkomplikationen. Ihre Wirksamkeit ist in den Physikalischen Gasgesetzen begründet:

 

  1. Unter steigendem Sauerstoffdruck geht vermehrt Sauerstoff im Plasma in Lösung (Henry´sches Gesetz).
  2. Die Sauerstoffkonzentration bei 300 kPa beträgt dabei 6,6 ml pro dl Plasma.
    Diese Menge genügt für die Sauerstoffversorgung der Organe.
  3. Durch den zwanzigfach höheren Sauerstoffpartialdruck unter 300 kPa Umgebungsdruck wird nach dem Gesetz der Massenwirkung nicht nur das CO schneller aus seiner Bindung an das Hämoglobin, sondern auch aus seiner Bindung an das Myoglobin verdrängt.
  4. Die Lipidperoxidation in den Zellmembranen kann nur durch die HBO-Therapie gehemmt werden (alleinige Sauerstoffatmung unter Normaldruck erreicht diesen Effekt niemals)
  5. Die HBO-Therapie ist bei akuten Vergiftungen mit Symptomen lebensrettend

Tauch- und Überdruck-Erkrankungen

First to do  → Verunfallte Taucher benötigen ab dem ersten Moment Sauerstoff!

Am besten 100% über eine Maske mit sog. Reservoir.  Gut ausgestattete Tauchbasen oder Tauchschiffe sollten diese immer in ausreichender Zahl vorhalten.

Anschließend ist ein schnellstmöglicher Transport in eine Druckkammer zwingend notwendig. Das gemeinhin bekannte Nassrekomprimieren mit normaler Luft ist, neben dem enorm hohen Risiko für den Tauchpartner, auch oft ineffektiv und wird deshalb von führenden Tauch-Versicherern wie DAN nicht empfohlen. Eine vollständige Liste aller deutscher Notfalldruckkammern mit 24-Stunden Rufbereitschaft finden Sie auf der Seite der GTÜM.

Zusätzlich sollten Sie sich am Tauchort immer über die nächstgelegen Druckkammer und deren Erreichbarkeit informieren. Die Tauchbasen vor Ort können oftmals helfen.

Vor Antritt eines Urlaubs sollten zudem die Versicherungen hinsichtlich der Kostenübernahme für Behandlungen, Transporte (Rückholflüge etc.) und Logistik überprüft werden. Doppelversicherungen können im Nachgang zu Streit über Zuständigkeiten führen. 

Was ist ein Tauchunfall? 

Der “Tauchunfall” (manchmal auch Taucherunfall) ist ist ein Sammelbegriff für alle Vorkommnisse, die dem Taucher im Wasser und nach dem Tauchgang zustoßen. Hierbei ist noch zu bedenken, dass die Ursachen für den Tauchunfall unmittelbar etwas mit den veränderten Druckverhältnissen beim Tauchen oder am Arbeitsplatz tun haben müssen. Das bedeutet, dass andere Verletzungen wie Schnittwunden, Quetschungen, Stichwunden, Knochenbrüche etc., sowie Bisswunden, Vergiftungen etc, durch Tiere herbeigeführt, nur als Unfälle zusätzlich beim Tauchen verstanden werden.

Der “klassiche” Tauchunfall ist entweder eine Dekompressionskrankheit (auch Caissonkrankheit genannt), eine Überdehnung der Lunge oder eine andere durch Druckunterschiede hervorgerufene Verletzung bzw. Erkrankung.  

Hier wollen wir einige Begriffe erörtern: 

Caissonkrankheit

Vor ca 250 Jahren haben französiche und belgische Ingenieure ein System zu Anwendung gebracht, mit dem man auf dem Grund von Seen und Flüssen “trockenen Fusses” arbeiten konnte. Im Prinzip waren es Holzkästen ( franz. Caisson ) der unterschiedlichsten Form, die auf den Grund abgelassen wurden. Mit Überdruck wurde das Wasser herausgepresst. Über eine Schleuse konnten dann die Arbeiter in die Caissons gelangen, die nun unter Überdruck standen, und arbeiten. Da die ersten “Taucherkrankheiten” in den s.g. Caissons vorkamen, gab man ihnen den Namen “Caissonkrankheit”.

Dieser Begriff wurde in der Taucherei übernommen. Tatsächlich ist die Taucherkrankheit aber eine Verletzung und keine Erkrankung. Unter dem Sammelbegriff Caissonkrankheit fasst man alle Vorkommnisse zusammen, die ein Ausperlen von Stickstoffbläschen im Körper verursachen. 

Hierzu einige Stichpunkte:

  • Taucherflöhe sind Stickstoffausperlungen im Unterhautfettgewebe. Sie verursachen einen sehr heftigen Juckreitz und Schmerzen auf/unter der Haut.
  • Bends sind Stickstoffausperlungen in den Gelenken. Bends verursachen z.T. heftige Schmerzen in den betroffenen Gelenken.
  • Chokes sind Stickstoffausperlungen in den Lungenbläschen. Hier entstehen Schmerzen beim Atmen bis hin zur akuten Atemnot.
  • Schwere Form der Bends sind Beschwerden wie unter Nr.2 beschrieben, treten aber schon während des Auftauchens auf.
  • ZNS-Symptome sind Stickstoffausperlungen an den Nerven und im Gehirn. Hierbei erfährt der Verletzte Taucher alle Formen von nervösen Ausfallerscheinungen wie Lähmungen, Taubheitsgefühle, Empfindungsirritationen, Sehstörungen, Hörstörungen usw.
  • Arterielle Gasembolie – hierbei entstehen Gasblasen (Stickstoff oder sonst.) welche durch ein Loch in der Herzscheidewand (Septum) ins arterielle Blutsystem übertreten. Diese Gasblasen können dann die Arterien embolisieren, also verstopfen. Das dahinter liegende Gewebe stirbt ab
  • Barotrauma ( Baro = Druck, Trauma = Verletzung ) Darunter versteht man alle Verletzungen, die durch Druckunterschiede in und an den starren Körperhöhlen entstehen können.
    Hier unterscheidet man zwischen Überdruckbarotrauma und Unterdruckbarotrauma. Die s.g. Barotraumata können in folgenden Körperhöhlen entstehen:
    • Lunge, Außenohr, Mittelohr, Ober-und Unterkieferhöhlen, Stirnhöhlen, Zähne, unter bestimmten Bedingungen auf der Haut oder den Augen und verschiedenen kleineren Nasennebenhöhlen.

Wichtig ist: Alle Formen der Caissonkrankheit, auch Druckfallkrankheit oder auf Neudeutsch DCS (Decompression-Sicknes) gehören in die Hände eines Taucherarztes und in die Druckkammer zur Behandlung. Es ist die Natur dieser Verletzung, sich noch über viele Stunden zu verschlimmern. Unbehandelte Caissonerkrankungen verursachen Langzeitschäden, die meist irreparabel sind. 

Tiefenrausch

Um den Tiefenrausch ranken sich die meisten Gerüchte in der Taucherei. Tatsächlich handelt es sich hier um eine Art Stickstoffnarkose, die auf den verschiedenen Tauchtiefen diverse Symptome verursacht, welche einem Trunkenheitszustand gleichen können.

Gasbrand / Weichteilinfektionen

Der Gasbrand ist eine lebensbedrohliche “Superinfektion” mit Bakterien. Verantwortlich für diese seltene Infektion ist der Erreger: CLOSTRIDIUM PERFRINGENS und (seltener) einige seiner Unterarten.

Dieses Bakterium ist überall vorhanden, auch auf der Haut, im Darm, sowie im Boden. Übertragen wird sie durch Kontakt mit einer kontaminierten Fläche. Wenn zeitgleich eine Verletzung der Haut (Wunde, Schnitt etc) vorliegt und der Keim unter Sauerstoffabschluss in das Gewebe eindringen kann, ist der Körper infiziert.

Gasbrand heißt diese Infektion, weil die Bakterien ein Gas produzieren, dass sich in den befallenen Geweben sammelt und dort auch ertastet werden kann.

Clostridium perfringens Bakterien sind Anaerobier, das bedeutet, sie gedeihen bei Sauerstoffarmut im Gewebe besonders gut und sterben im sauerstoffangereicherten Gewebe ab. Hier setzt die HBOT an.

Durch die maximale Aufsättigung des infizierten Gewebes mit Sauerstoff stirbt der Keim ab. Hier ist eine schnellstmögliche Therapie notwendig um das Leben des Patienten und möglichst viel Gewebe zu retten.

Verschlusskrankheit der Augengefäße

  •  Augenarterien-Infarkt (Zentralarterien-Infarkt des Auges)
  • Augenvenen-Infarkt

Verantwortlich ist in den meisten Fällen eine Störung der Versorgung der Sehzellen des Auges. Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Rauchen oder Stress über einen längeren Zeitraum sind die Hauptursachen.

Das durch einen Thrombus (Gerinnsel) verschlossene Gefäß baut sich in vielen Fällen nach 24 bis 48 Stunden ab. In der Zwischenzeit ist das zu versorgende Gewebe bereits abgestorben.

Durch eine HBOT wird nicht nur die Sauerstoffkonzentration im Blut drastisch erhöht, sondern auch die Eindringtiefe des Sauerstoffs in das Gewebe um das ca. 4fache gesteigert. Noch intakte Umgebungsgefäße können dadurch das betroffene Gebiet mitversorgen.
Sie sollte innerhalb der ersten 12 Stunden erfolgen.